Bestandsanalyse der örtlichen Gegebenheiten

Nachfolgend werden die örtlichen Gegebenheiten und raumbezogenen Merkmale der Stadt Solms im Hinblick auf die drei SILEK-Themenschwerpunkte dargestellt:

  • Agrarstruktur und Kulturlandschaft
  • Tourismus und Kulturhistorie
  • Biotop- und Gewässerentwicklung/Hochwasserschutz

1. Agrarstruktur und Kulturlandschaft
Die Landwirtschaftsfläche macht ein Viertel der Gesamtfläche der Stadt Solms aus. Die Landwirtschaft wird vor allem auf den günstigen Ackerbaustandorten, insb. nördlich der B 49 entlang der Stadtteile Niederbiel und Oberbiel sowie südlich der B 49 und zwischen Burgsolms und Albshausen betrieben.

Flächenstrukturen
Die Topographie der Solmser Gemarkung lässt vielfach nur begrenzte Flächengrößen und –zuschnitte zu. Hierdurch können nur eingeschränkt Bewirtschaftungsgrößen erreicht werden, die auf überregionaler Ebene konkurrenzfähig sind (Mindestschlaggrößen ab 2 ha). Dies ist ein typischer Nachteil für die Landwirtschaft im Lahn-Dill-Kreis.

Im Durchschnitt sind die Bewirtschaftungseinheiten (Schläge) in Solms 0,71 ha groß und damit auf einem äußerst unbefriedigenden Niveau in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit. Auch die Ackerflächen sind mit durchschnittlich 0,73 ha nicht wesentlich größer, Grünland mit 0,70 ha noch kleiner.

Mit Ausnahme der Gemarkung Altenberg (1,83 ha/Schlag) liegt die durchschnittliche Größe der Bewirtschaftungseinheiten in allen Solmser Gemarkungen weit unter einem Hektar. Agrarstrukturell äußerst ungünstig sind die Verhältnisse in Oberndorf (durchschnittliche Schlaggröße 0,57 ha) und Niederbiel (0,61 ha), aber auch in Burgsolms (0,63 ha) und Oberbiel (0,67 ha). Albshausen liegt mit 0,87 ha je Schlag etwas besser, aber auch noch auf einem sehr kleinflächigen Niveau.

Ebenfalls sehr kleinflächig sind die einzelnen Flurstücke: Das durchschnittliche landwirtschaftliche Flurstück in Solms umfasst 0,22 ha (Grünland 0,19, Acker 0,26 ha).

In einzelnen Bereichen besteht aufgrund des bewegten Reliefs (Hangneigung) eine besondere Erosionsgefährdung. Aufgrund ungünstiger Flächenzuschnitte und der Kleinparzellierung ist eine hangparallele Bewirtschaftung nicht überall möglich. Auch im Wald herrscht durchgehend eine kleinteilige Flächenstruktur vor.

Land- und forstwirtschaftliche Wege
Im Stadtgebiet Solms existiert eine Vielzahl ausgewiesener Wege. Aufgrund der grundlegenden Veränderungen in der Agrarstruktur (größere Maschinen, größere Bewirtschaftungseinheiten etc.) ist ein Teil dieser Wege mit der Zeit entbehrlich geworden. Die vorhandenen Wege entsprechen bezüglich Breite, Zustand, Belag und Befestigung oftmals nicht den Anforderungen moderner landwirtschaftlicher Maschinen.

Im Rahmen des SILEK wurden mit Unterstützung der örtlichen Landwirte das Wegenetz bewertet und besondere Mängelbereiche in Karten darstellt. In einigen Teilräumen besteht erheblicher Verbesserungsbedarf, den am besten die Flurneuordnung erfüllen kann.

Da die Wege nicht nur landwirtschaftlich, sondern auch von Wanderern, Spaziergängern, Radfahrern und Reitern genutzt werden, ist es erforderlich, geplante Maßnahmen auch mit diesen Nutzern in Einklang zu bringen.

Entwicklungstendenzen
Die Attraktivität und Wirtschaftlichkeit der Landnutzung durch Landwirtschaft hat aufgrund neuer Verwertungsmöglichkeiten neben der Nahrungsmittelerzeugung (nachwachsende Rohstoffe, erneuerbare Energien) in der letzten Zeit zugenommen. Dennoch besteht auch in Solms aufgrund vielfach ungünstiger Flächenstrukturen die Gefahr der Unwirtschaftlichkeit, zum Teil auch einer Nutzungsaufgabe als Folge unwirtschaftlicher Rahmenbedingungen – insbesondere auf Grenzertragsflächen und in unmittelbarer Nähe zu Biotopen und Gewässern. Hinzu kommt, dass das Wegenetz nur sehr vereinzelt an die Erfordernisse moderner Maschinen angepasst ist.

Bei der Betriebsstruktur ist zu erwarten, dass die Zahl der Nebenerwerbslandwirte weiter zurückgehen wird, die Flächen werden von Haupterwerbslandwirten übernommen. Aber auch die Zahl überlebensfähiger ortsansässiger Haupterwerbsbetriebe bewegt sich bereits im einstelligen Bereich und wird voraussichtlich weiter zurückgehen. Hier kann der Weg über verstärkte überbetriebliche Kooperationen, auch in einzelnen Betriebszweigen (Viehhaltung, Biogas) für einige Betriebe die Chance eröffnen, die (Kosten-) Nachteile aufgrund der ungünstigen Strukturen zu kompensieren.

2. Tourismus und Kulturhistorie
Die Stadt Solms liegt innerhalb der touristischen Destination Lahntal und hier in der Region Solmser Land.

Die gute verkehrstechnische Anbindung, die abwechslungsreiche Naturausstattung und kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten sowie die vorhandene touristische Ausstattung bieten sehr gute Voraussetzungen für die Naherholung und den Tagestourismus.

Die Stadt Solms liegt mit Teilen von Oberndorf und Burgsolms im Naturpark Hochtaunus, der sich als zweitgrößter Naturpark Hessens (134.775 ha) im Weiteren nach Süden bis vor die Tore des Ballungsgebietes Rhein-Main erstreckt. Darüber hinaus ist das Besucherbergwerk Grube Fortuna eines von zehn Infozentren in dem seit 2010 gegründeten Geopark Westerwald-Lahn-Taunus, mit Sitz in Weilburg.

Touristische Ausstattung
Nachfolgend sind die touristische Ausstattung sowie Einrichtungen der Naherholung stichpunktartig dargestellt. Die Aufzählung erhebt nicht den Anspruch vollständig zu sein, sie soll vielmehr die wesentlichen Elemente aufgreifen, um einen Überblick über die Situation in Solms zu geben:

Übernachtungsangebote

  • 2 Hotels mit insgesamt 24 Betten
  • 1 Pension mit 5 Betten
  • 1 Gästehaus mit 8 Betten
  • 7 Ferienwohnungen mit je einem Doppelzimmer
  • 1 Zeltplatz an der Lahn mit insgesamt 3 Anbietern und ca. 130 Zelt¬plätzen.

Wasserwandern auf der Lahn

  • Zeltplatz und Kanustation Schohleck
  • Ein- und Ausstiegsstellen Schohleck und Oberbiel

Radfahren:

  • Lahntalradweg
  • Hessischer Fernradweg R7
  • Oranier-Fahrrad-Route
  • Solmstalradweg

Wanderwege (Überregional):

  • Lahnwanderweg (Zertifikat Deutscher Wanderverband angestrebt)
  • Bergmannsroute (Zertifikat Deutscher Wanderverband angestrebt)
  • Hugenotten- und Waldenserpfad
  • Elisabethpfad
  • Lahnhöhenwege (Westerwald und Taunusseite)
  • Schinderhannesweg

Darüber hinaus gibt es weitere regionale Wege, wie die Grubenwege in Oberndorf, den Nieder- und Oberbieler Bergmannspfad sowie den Victoriaweg.

Sehenswürdigkeiten und Erholungsangebote

  • Besucherbergwerk Grube Fortuna
  • Feld- und Grubenbahn-Museum Fortuna
  • Kloster Altenberg
  • Sternwarte Solms
  • Industrie- und Heimatmuseum
  • Solmser Bad

3. Biotop- und Gewässerentwicklung/Hochwasserschutz
Bestandssituation Natur und Landschaft

Wald
Fast die Hälfte des Stadtgebiets Solms ist von Wald bedeckt (1.453 ha, 42,6%). Die Stadt Solms besitzt mit 1,085 ha den größten Teil dieser Waldflächen, die restlichen Waldanteile sind überwiegend im Großprivatwald-Besitz, Kleinprivatwald-Besitz existiert kaum. Die Waldgebiete liegen im südlichen (Taunusseite) und nördlichen Teil (Westerwaldseite) des Stadtgebietes und rahmen dieses ein. Sie sind jeweils Teile größerer, zusammenhängender Waldgebiete über die Stadtgrenzen hinaus.

In den Waldgebieten dominiert der Laubholzanteil (67%) während Mischwald (8,2 %) und Nadelwald (24,8 %) in den Hintergrund treten. Insgesamt gibt es vier Altholzbestände im Stadtwald, die gem. Forsteinrichtungswerk als Altholzinseln ausgewiesen sind.

Die Waldbereiche im nördlichen Stadtgebiet sind Teil des FFH-Gebiet Waldgebiet Allendorf – Leun mit einer Gesamtgröße von 3.200 ha. Große Teile des FFH-Gebietes sind mit standortheimischen Buchenwäldern bestanden, die einen hohen Naturschutzwert haben.

Mit Blick auf die Kulturhistorie sind Relikte alter Gruben und Gruben-bahnen in den Waldgebieten erwähnenswert. Kulturhistorischen Wald-nutzungsformen, wie Nieder- und Mittelwald sind tlw. noch vorhanden.

Offenlandschaft
Der größte Teil der Offenlandschaft wird landwirtschaftlich genutzt. Wenige Gebiete sind nicht mehr in Nutzung, wie z.B. Teile der Lahnhänge bei Niederbiel oder in Pflege, wie z.B. das NSG Borngrund bei Oberndorf.

Der Hauptanteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen sind Grünlandflächen. Diese liegen zu einem Großteil in der Lahnaue und den Niederungen der übrigen Fließgewässer. Darüber hinaus sind auch immer wieder Grünlandflächen in die Ackerflächen eingestreut, so dass sich insgesamt ein abwechslungsreiches Landschaftsbild einer kleinstrukturierten Offenlandschaft zeigt.

Einige der Grünlandflächen sind als kulturhistorischen bedeutsame Streuobstwiesen (unterschiedlicher Nutzungsausprägung) erhalten, wie z.B. westlich Burgsolms, im Solmsbachtal und dem NSG Borngrund bei Oberndorf, westlich Albshausen, nördlich von Nieder- und Oberbiel, südlich Oberbiel und nordöstlich Kloster Altenberg.

Die Bewirtschaftung der Feuchtwiesenflächen des FFH-Gebiet Lahnwiesen erfolgt traditionell überwiegend extensiv. Einige der Bewirtschafter haben sich hierzu vertraglich verpflichtet und erhalten finanzielle Unterstützung aus dem HIAPProgramm.

Größere zusammenhängende Ackerbaugebiete gibt es vor allem in Nieder- und Oberbiel. Kleinere Ackerbaugebiete liegen in Albshausen, Oberndorf und Burgsolms.
Fließgewässer
Das Stadtgebiet von Solms wird maßgeblich durch die Lahnaue geprägt, die das Stadtgebiet unterteilt. Die Lahn ist hier auch Grenzfluss der Naturraumeinheiten Westerwald im Norden (Stadtteile Niederbiel/ Oberbiel) und dem Taunus (Stadtteile Burgsolms, Albshausen und Oberndorf).

Die Lahn ist in diesem Bereich nicht klassifizierte Bundeswasserstraße und wird nahezu ausschließlich touristisch durch kleinere Motoryachten sowie Paddel- und Ruderboote genutzt. Im Stadtgebiet Solms befinden sich drei Staustufen mit Schleuse: Niederbiel, Oberbiel und
Altenberg.

Stadtgebietsprägend ist außerdem der Solmsbach, der die Stadtteile Oberndorf und Burgsolms durchfließt, um dann nördlich Burgsolms in die Lahn zu münden.

Hochwasserereignisse am Solmsbach führen zu großen Überschwemmungen in diesen beiden Stadtteilen. Daher wurde 2009 ein Hochwasserschutzplan für den Solmsbach erstellt. Regelmäßig treten auch Hochwasserereignisse an der Lahn auf, welche die Lahnaue überschwemmen.

Daneben gibt es im nördlichen Stadtgebiet noch zwei größere Bäche, die ebenfalls direkt in die Lahn entwässern, den Niederbieler und den Oberbieler Grundbach.

Schutzgebiete
Im Stadtgebiet Solms existieren folgende Schutzgebiete:

  • FFH-Gebiete
    –    Waldgebiet Allendorf – Leun 5416-302
    –    Lahnwiesen 5416-303
  • Landschaftsschutzgebiete (LSG) Auenverbund Lahn-Dill
  • Naturschutzgebiet (NSG) Borngrund bei Oberndorf
  • Überschwemmungsgebiete von Lahn und Solmsbach
  • Wasserschutzgebiete Zonen I-III

 

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