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Jüdisches Leben in Solms – Erinnern, Gedenken und nicht vergessen
Bildbeschreibung: Der Künstler Gunter Demnig verlegte 2017 die Stolpersteine zur Erinnerung an die ermordeten Juden, die in dem Haus in der Solmsbachstraße 14 gewohnt hatten.
Die Stolpersteine geben den Menschen, die durch die nationalsozialistische Verfolgung aus ihrer Heimat vertrieben oder in Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet wurden, ihre Namen und einen Teil ihrer Geschichte zurück. Zehn der ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner konnten rechtzeitig in die USA fliehen. Viele andere überlebten die Verfolgung nicht.
Die Schicksale der Familien Juda, Roos, Seligmann und Moses
In der Solmsbachstraße 14 in Burgsolms lebte unter anderem die Familie des Kaufmanns Hugo Juda. Er wurde 1896 in Burgsolms geboren und wohnte dort gemeinsam mit seiner Frau Bertha, deren Mutter Frieda Simon und den beiden Söhnen. Hugo Juda und seine Söhne wurden in einem Vernichtungslager im besetzten Polen ermordet. Seine Ehefrau Bertha wurde in Sobibor getötet, ihre Mutter Frieda Simon 1942 deportiert und im Vernichtungslager Treblinka ermordet.
Auch die Familie Roos lebte in diesem Haus. Von den vier Familienmitgliedern gelang lediglich Emil Roos 1938 die Flucht in die USA. Die übrigen Familienangehörigen wurden 1942 deportiert und in Sobibor ermordet.
In der Braunfelser Straße 36 in Oberndorf wohnte die Familie Seligmann. Hermann Seligmann, 1878 in Oberndorf geboren, und seine Ehefrau Frieda wurden 1944 in Auschwitz ermordet. Weitere Familienangehörige erlitten ebenfalls Verfolgung und Gewalt. Während Johanna Seligmann in Sobibor ermordet wurde, starb Selma Seligmann bereits 1939 unter den Folgen der nationalsozialistischen Entrechtung und Verfolgung. Fritz, Gerda und Trude Seligmann konnten rechtzeitig in die USA fliehen.
Auch die Familie Moses, die im selben Haus wohnte, konnte zwischen 1933 und 1938 nach Amerika fliehen.
Der jüdische Friedhof in Burgsolms – ein Zeugnis jüdischen Lebens
Ein weiterer wichtiger Ort der Erinnerung an das jüdische Leben in Solms ist der jüdische Friedhof in Burgsolms. Der älteste erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1706. Es ist daher davon auszugehen, dass der Friedhof bereits Ende des 17. Jahrhunderts angelegt wurde.
Als sogenannter Sammelfriedhof diente er nicht nur den jüdischen Einwohnern von Burgsolms, sondern auch den Familien aus Braunfels, Niederbiel, Oberndorf, Tiefenbach, Nauborn, Griedelbach, Kröffelbach, Kraftsolms und Bonbaden als letzte Ruhestätte.
Auch dieser Ort wurde während der nationalsozialistischen Herrschaft geschändet. Zahlreiche Grabsteine wurden umgeworfen. Nach Kriegsende ließ die Gemeinde den Friedhof wieder instand setzen. Die jüngsten erhaltenen Grabsteine stammen aus dem Jahr 1939.
Bis heute erinnert der Friedhof an die jüdischen Familien, die über Generationen hinweg in unserer Heimat lebten. Gemeinsam mit den Stolpersteinen ist er ein wichtiger Bestandteil der Solmser Stadtgeschichte und ein Ort des Gedenkens an das jüdische Leben, das durch die nationalsozialistische Verfolgung weitgehend zerstört wurde.
Gemeinsames Gedenken und Erinnern
Die Verlegung der Stolpersteine im Jahr 2017 wurde von einer Gedenkveranstaltung begleitet. Seitdem findet jährlich eine Mahnwache in der Solmsbachstraße 14 in Burgsolms statt. Diese wird von der/dem Bürgermeister/in, den Stadtverordneten und Stadträten sowie Schülern der Jahrgangsstufe 10 der Gesamtschule Solms mitgestaltet. Auch die Pfarrer der evangelischen und katholischen Kirche beteiligen sich am gemeinsamen Gedenken. Für die musikalische Umrahmung sorgen Heidi und Johannes Schiller.
Erinnern heißt Verantwortung übernehmen
Die Stolpersteine in Burgsolms und Oberndorf sowie der jüdische Friedhof sind mehr als historische Erinnerungsorte. Sie erinnern an Menschen, die Teil unserer Stadt waren: Nachbarn, Freunde und Familienangehörige, deren Leben durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zerstört wurde.
Wenn wir heute an sie erinnern, halten wir ihre Namen und ihre Geschichten lebendig. Zugleich ist das Gedenken eine Mahnung für die Gegenwart und die Zukunft: Ausgrenzung, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.
Erinnern heißt, Verantwortung zu übernehmen – heute und für kommende Generationen.
Auch in diesem Jahr findet am kommenden Montag um 11:00 Uhr wieder die Mahnwache zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht statt. Die Stadt Solms lädt alle Bürger herzlich ein, sich daran zu beteiligen und gemeinsam ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen:


